12.01.2012 Wie Bewegung und Sport gegen Diabetes wirken

Wird ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert, empfehlen Ärzte den Betroffenen als einen der ersten Behandlungsschritte, sich regelmäßig mehr zu bewegen. Denn mit Sport und körperlicher Aktivität lassen sich die Auswirkungen der Stoffwechselerkrankung lindern, da damit die Produktion von Insulin erhöht wird. Forscher aus Basel sind nun auf den hormonellen Regelkreis gestoßen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist.
Der arbeitende Muskel produziert das Protein Interleukin-6 (IL-6), dessen Bedeutung bisher unklar war. Bekannt ist daneben, dass die L-Zellen im Darm ein Hormon produzieren, das sogenannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Dieses GLP-1 wird durch Mahlzeiten über den Darm stimuliert und regt die Insulinproduktion an.
Insulinproduktion wird durch IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf gesteigert
Die Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass auch der Muskel selbst direkt das GLP-1 stimuliert, und zwar über IL-6. Zudem wiesen sie nach, dass das IL-6 in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch die Beta-Zellen reprogrammiert. Diese stellen dabei von der Produktion von Glucagon, das den Blutzucker erhöht, auf die Produktion von GLP-1 um – was wiederum bewirkt, dass die benachbarten Beta-Zellen vermehrt Insulin produzieren. Bei körperlicher Tätigkeit wird damit über den IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf mehr Insulin hergestellt, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes günstig beeinflusst wird.
Der neu entdeckte hormonelle Regelkreis eröffnet verschiedene therapeutische Möglichkeiten für Diabetes, wie die Forscher berichten. So können gezielt Sportinterventionen geplant werden, damit es bei den Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt. Weiter lassen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau vom GLP-1 hindern, sogenannte DPP-IV-Inhibitoren. Kombiniert man diese Medikamente mit körperlicher Tätigkeit, ist ein verbesserter Therapieerfolg zu erwarten.
Diese Hypothese wird derzeit am Universitätsspital Basel in einer klinischen Studie bei Übergewichtigen und Diabetikern überprüft.




