25.01.2012 Forscher entdecken therapeutisches Potenzial von Wurmparasiten

Foto: Prof. Dr. David Vöhringer
Erlanger Infektionsbiologen haben neue Erkenntnisse über den Schutz vor Allergien und Autoimmunreaktionen gewonnen: Eine Arbeitsgruppe der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnte einen positiven Effekt von Wurmparasiten auf bestimmte Formen von T-Helferzellen nachweisen.
Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in dem renommierten Journal of Immunology (http://www.jimmunol.org/content/188/2/615.abstract). Ziel der Erlanger Forscher ist es nun herauszufinden, wie die Würmer das Immunsystem beeinflussen, um neue Ansätze zur Entwicklung wirksamer Medikamente zu liefern.
Weniger Autoimmunkrankheiten in Ländern mit geringen Hygienestandards
Autoimmunkrankheiten wie der Typ-1-Diabetes treten in Ländern mit geringen Hygienestandards seltener auf. „Eine Hypothese besagt, dass eine Infektion mit Wurmparasiten, die in diesen Ländern häufig vorkommen, vor ungewollten Reaktionen des Immunsystems wie Allergie und Autoimmunität schützen kann“, erklärt der Studienlieter Prof. David Vöhringer. Wie das genau geschieht, darüber ist bisher jedoch wenig bekannt.
Die Arbeitsgruppe um Prof. Vöhringer hat nun neue Erkenntnisse für einen möglichen Mechanismus gewonnen. Die Forscher konnten zeigen, dass bei Mäusen, die mit dem Wurmparasiten Nippostrongylus brasiliensis infiziert wurden, die für Autoimmunprozesse verantwortlichen Th1- und Th17-Zellen zu Th2-Zellen umprogrammiert werden können.
Immunreaktionen werden gehemmt
Th2-Zellen schütten Botenstoffe aus, die einen hemmenden Einfluss auf Th1- oder Th17-vermittelte Immunreaktionen haben. „Damit ist uns erstmals ein konkreter Nachweis dafür gelungen, dass Wurmparasiten einen positiven Effekt auf die Umprogrammierung von T-Zellen und damit auf unser Immunsystem haben“, sagt Prof. Vöhringer.
Die Erlanger Infektionsforscher untersuchen nun, wie diese unerwartete Flexibilität von T-Zellen künftig therapeutisch genutzt werden kann. Dazu ist es zunächst notwendig, die verantwortlichen Komponenten der Parasiten zu isolieren. Mittelfristiges Ziel ist es, die Pharmaindustrie bei der Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Autoimmun-Krankheiten zu unterstützen.
Quelle: Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg




